„Wenn Sie jemals den historischen Stellenwert Europas verkennen, dann nehme ich Ihnen das wirklich übel“, erklärte Peer Steinbrück den Jugendlichen im Publikum.

Die „Schwarzkopf-Stiftung – Junges Europa“ organisierte letzten Mittwoch eine Diskussions-veranstaltung zur Finanz- und Schuldenkrise mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel und der Europäischen Kommission.

Peer Steinbrück erklärte Ursachen der Krise und finanzpolitische Zusammenhänge. Er diskutierte verschiedene Vorschläge zur „Eurorettung“ und sparte dabei nicht mit Seitenhieben: „Das Buch eines früheren BDI-Präsidenten schlägt einen Nord- und einen Süd-Euro vor. Lesen Sie das nicht. Lesen Sie meins.“ Insgesamt sei die die Haltung in Deutschland gegenüber der Krise aber besonnen, selbst die Boulevardpresse halte sich weitestgehend zurück.

Einer der „wenigen parteipolitischen Hinweise“ des Abends war die sozialdemokratische Selbstkritik, dem Zeitgeist der Deregulierung nicht stärker widerstanden zu haben. Warum er sich so wenig mit seiner Partei, der SPD, beschäftigte, erklärte er später: „Ein CDU-Politiker sagte mal, dass ein Politiker nur etwas taugt, wenn er wenigstens 30% der eigenen Leute gegen sich hat.“ Dass Steinbrück keine Gegner im eigenen Lager habe, kann man ihm nicht vorwerfen. Pflichtschuldig kritisierte Steinbrück dann aber auch die Bundesregierung dafür, in der Krise zu wenig, zu spät und zu ungefähr gehandelt zu haben. Es fehle eine „finale Story“ zur Lösung der Probleme, dozierte er etwas halbherzig. Er gestand jedoch ein, dass man nur die Wahl zwischen verschiedenen schlechten Lösungen habe. Er sagte nicht, dass es eine SPD unter Sigmar Gabriel besser gemacht hätte.

Steinbrücks Fazit: „Wir werden zahlen! Natürlich werden wir zahlen.“ Er appellierte an den Europäischen Geist der Jugendlichen: „Deutschland wird nur in und mit Europa weiterhin in der Champions League mitspielen!“ Steinbrück kritisierte die Politik im Allgemeinen dafür, dass sie bisher keine „Erzählung über das Europa des 21. Jahrhunderts“ entwerfen konnte. Das Ziel sei mehr europäische Integration, aber es müsse auch stärker als bisher das Subsidiaritätsprinzip gelten. Er verbat sich „anmaßende“ Einmischungen der Europäischen Kommission. Ob er mit seiner Kritik am Glühbirnen-Verbot der EU auf SPD-Linie war? Es klang eher nach CSU.

Steinbrück blieb dabei unverbesserlich provokant. Zur Jagd auf Steuerhinterzieher sagte er: „Die Amerikaner können das. Die drohen nicht mit der Kavallerie, die schicken die einfach.“
Auch privat hält er es offenbar amerikanisch:
Steinbrück: „Diese Auszahlmaschinen, wie heißen die Dinger? Geldautomaten – Danke!“,
Moderator: „Wo holen Sie denn Ihr Geld her?“
Steinbrück: „Ich druck das.“

Man merkte Steinbrück an, dass er gerne wieder in der ersten Reihe mitmischen würde. Im Moment deutet in den Ländern jedenfalls vieles auf eine Große Koalition für 2013 hin…